Jo im Talk mit dem Musiker Hans Böhmen

Die Bandbreite des Lobbericher Musikers reicht von Auftritten bei Familienfeiern bis hin zu Firmenveranstaltungen, Events und festlichen Empfängen in Ministerien. Beim Talk mit Jo spricht Keyboarder und Akkordeonist Hans Böhmen über seinen Humor, seine musikalischen Wurzeln und über seine Liebe zur Musik.

Erzähle uns einige Worte über Dich und den Musiker Hans Böhmen.

Nach meiner Schulausbildung bekam ich mit 13 Jahren eine Lehrstelle als Färber, die meine Mutter für mich gesucht hatte. Zu diesen Zeiten war es schwierig, überhaupt eine Arbeitsstelle zu finden. Mein Glück war, dass mir dieser Beruf auf Anhieb gefiel. Er war mir förmlich auf den Leib geschneidert. Man könnte sagen, ich war immer der Hans im Glück. Mit 17 Jahren habe ich die Lehre beendet und wurde mit 18 Jahren bereits Vorarbeiter. Später habe ich meine Arbeitsstelle gewechselt und war in Lobberich angestellt. Nach wiederum eineinhalb Jahren fand ich eine Anstellung bei der Firma Schroers in Breyell. Dort habe ich die Firma quasi mit aufgebaut und wurde mit 21 Jahren schon Meister. Ich habe viele Jahre dort gearbeitet und es hat mit immer sehr viel Freude gemacht. Es war in der Färberei zwar harte Arbeit und wir arbeiteten teilweise mit acht Leuten an einer Maschine. Trotzdem haben wir den ganzen Tag nur gelacht. Mit 24 Jahren wurde ich in dieser Firma Leiter der Färberei. Einen Großteil meiner Arbeitszeit habe ich gemeinsam mit ausländischen Kollegen zusammengearbeitet. Es waren Italiener, Griechen, Türken und Russen. Mein Chef sagte damals immer zu mir, er würde sich sehr darüber wundern, wie gut wir uns miteinander verstehen. In allen anderen Abteilungen gebe es ständig Palaver, nur bei mir nicht. Bei mir haben die Leute viel gelacht, sie haben aber gearbeitet wie die Bienen und waren nie unzufrieden, wenn sie mein Büro verließen. Jetzt bin ich schon seit 19 Jahren aus meinem Beruf und die ehemaligen Kollegen besuchen mich immer noch. Meine Musik habe ich immer neben meiner Arbeit gemacht. Das war nie eine Belastung für mich, da ich Musik liebe und diese anscheinend im Blut habe. Ich habe zu dieser Zeit im Monat oft bis zu 19 Nächten Musik gemacht. Dazu hatte ich noch das Hobby, Hunde auszubilden. Einmal bin ich sogar Bundessieger und einmal Weltsieger geworden. Insgesamt ich habe über 200 Schutzhunde ausgebildet. Darunter waren Schäferhunde, Rottweiler und Dobermänner.

Wie und wann hast Du Deine Liebe zur Musik entdeckt?

Für mich spielte die Musik schon sehr früh eine große Rolle. Als ich vier Jahre alt war, habe ich eine Mundharmonika mit in mein Bett genommen. Innerhalb einer dreiviertel Stunde konnte ich schon vier Lieder spielen. Mit sechs Jahren habe ich mit der diatonischen Handharmonika meines Vaters zu spielen begonnen. Ich habe sozusagen Stunden lang auf dem Dölper gesessen und geübt. Mir brauchte niemand zu sagen, setze dich hin und übe mit deinem Instrument. Bei mir war es sogar der Fall, dass meine Mutter mir sagen musste, ich solle aufhören zu spielen und ins Bett gehen. Das habe ich in der Regel dann auch widerwillig gemacht. Mit acht habe ich ein Akkordeon geschenkt bekommen und mit 14 Jahren bin ich bereits mit meinem älteren Bruder zu Veranstaltungen gegangen, um dort mit ihm Musik zu machen. Es war auch zu dieser Zeit für Jugendliche nicht erlaubt, nach 22 Uhr noch auf Tanzveranstaltungen zu sein und wurde auch streng polizeilich kontrolliert. Immer wenn eine Kontrolle stattfand, habe ich mich hinter meinem Bruder versteckt, denn er war viel größer als ich. Mit 15 habe ich mir ein Saxofon gekauft. Um das Instrument zu bezahlen, habe ich eines meiner beiden Akkordeons verkauft. Ich mochte dieses Instrument und begann sofort damit zu spielen. Es dauerte auch gar nicht lange, ich denke es waren nur fünf Wochen, bis ich bei einer Band mitspielte. Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass es in Hinsbeck bei Franken war. Mein Repertoire bestand schon aus über 60 Liedern und ich habe mich kein einziges Mal verspielt. So ging es weiter mit der Musik. Später habe ich mir ein Tenorsaxofon gekauft. Bis zu meinem 24. Geburtstag habe ich mit anderen in einer Band gespielt. Wie es aber immer so ist, wenn viele Leute an einem Strang ziehen sollen, kam es zu Meinungsverschiedenheiten. So reifte bei mir der Entschluss, alleine Musik zu machen. Ich habe mir ein Keyboard gekauft und freute mich, dass alles so reibungslos funktionierte. Das Positive daran war auch, dass für mich jetzt eine größere Gage übrigblieb. Ich hatte nun die Möglichkeiten, mich individuell auf die Leute einzustellen, war ständig unterwegs und es hat einen Riesenspaß gemacht.

Warum hast Du Dich für das Keyboard entschieden. Was macht dieses Instrument so besonders?

Wenn man mit dem Akkordeon oder dem Klavier mit anderen zusammenspielen möchte, dann braucht man andere Instrumente, wie ein Schlagzeug, einen Bass oder eine Gitarre. Bei einem Keyboard ist alles integriert. Ich habe sozusagen die besten Musiker in einem Instrument zusammengefasst. Mein Keyboard habe ich jetzt schon einige Jahre, doch ich finde immer noch neue Möglichkeiten, Variationen zu probieren und zu programmieren.

Gab es für Dich musikalische Vorbilder?

Ja, ich habe mich immer an den größten Musikern orientiert, als da wären Albert Vossen, Friedrich Lips oder Andre Verchuren aus Frankreich. Diese Musiker waren meine großen Vorbilder. Ich habe als Kind sehr oft vor dem Radio gesessen und Radio Hilversum und Brüssel gehört, wo Akkordeonisten in den Sendungen spielten.

 

Deine Frau Svetlana ist Pianistin. Wie steht sie zu Deiner Musik und spielt Ihr auch zusammen?

Ja natürlich, wir machen gemeinsam Musik, wobei jeder den anderen in seiner Spielweise akzeptiert. Meine Frau Svetlana hat den größten Respekt vor meiner Musik und ich vor ihrer. Wir haben quasi das Motto: „Musik verbindet!“

Warum ist es etwas Besonderes, Livemusik auf einer Veranstaltung zu haben?

Livemusik ist immer etwas Besonderes. Ich habe mit meinem Bruder vor Jahren im Restaurant am Poelvensee gespielt. Im Parterre war eine Gesellschaft, bei der Platten aufgelegt wurden. Wir spielten mit zwei Akkordeon bei einer Feier in der ersten Etage. Im Laufe des Abends kamen alle Gäste zu uns herauf und wollten mit bei uns feiern.

Was unterscheidet Deine Musik von den vielen anderen Formationen, die Musik für Feiern anbieten?

Zum einen habe ich nur Musik gemacht, die zu mir passte. Zudem habe ich meine Lieder auch immer gesanglich begleitet. Ich habe nie etwas gespielt, was mir nicht gefiel. Auch habe ich nicht immer alles so gemacht, wie es die Anderen taten. Ich hatte meinen besonderen Stil und bin damit beim Publikum bestens angekommen. Während des Spielens und des Tanzens habe ich die Leute auch mit lustigen Kommentaren und kleinen Witzen unterhalten. Nach der Vorstellung bin ich oft nach Hause gefahren und musste noch über meine eigenen Witze schmunzeln.

Was sind Deine Pläne für die Zukunft?

Ich möchte gerne so weitermachen wie bisher. Etwas Besseres ist für mich nicht vorstellbar. Ich bin vollkommen glücklich, so wie es jetzt ist und möchte gerne noch viele Jahre gemeinsam mit meiner Frau Svetlana Musik machen. Ich würde mit niemandem tauschen, nicht einmal mit einem Multimillionär.

Hast Du für unsere Leser eine Anekdote aus Deiner musikalischen Laufbahn parat? Irgendetwas, dass Dir bis heute in Erinnerung geblieben ist oder über das Du noch heute lachen kannst?

Ich kam zu einem Auftritt ins Hotel Berghof in Hinsbeck, als mich die Hoteliersfrau vor dem Auftritt ansprach und mir sagte, dass ich es sehr schwerer haben würde, die Leute zu unterhalten. Es sei eine sehr ernste Hochzeitsgesellschaft, bei der schon einige Reden gehalten worden seien und es mir sicherlich nicht gelingen würde, dort eine gute Stimmung zu erzeugen. Ich habe dann meine Musikanlage aufgebaut und ging auf den Bräutigam zu, um ihm zu gratulieren. Neben ihm saß sein jüngerer Bruder, der allenfalls 16 Jahre alt war. Diesem Jungen habe ich als Brautvater gratuliert. Alle Gäste haben gelacht, weil sie dachten, ich hätte diese Verwechslung nicht bemerkt. Diese gute Stimmung übertrug sich auf den ganzen Abend, so dass mich später die Hoteliersfrau ungläubig anschaute und mich fragte, wie ich das geschafft hätte.

Was sind die drei Dinge, die Du mit auf die Insel nimmst?

Auf dieser Insel brauche ich natürlich meine liebe Frau, mein Keyboard und logischerweise Strom, sonst kann ich mein Keyboard nicht spielen.

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